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AEROSOLE UND MASKEN

Die Verbreitung des Virus über Tröpfchen und Aerosole – Wie wichtig sind Masken?

Neue Regeln

Die Beschlüsse vom 10.Februar im Überblick

  • Die zuletzt beschlossenen Regelungen werden bis zur nächsten Beratung am 03.März fortgeführt.

  • Friseure dürfen ab dem 01.März wieder öffnen

  • Ab einer 7-Tage-Inzidenz von <35 dürfen Einzelhandel, Museen und Galerien wieder öffnen.

  • Andere Kulturstätten, Restaurants und Sporteinrichtungen bleiben weiterhin geschlossen.

  • Kitas und Schulen werden schrittweise geöffnet, die Einzelheiten entscheidet jedes Bundesland für sich.

Im Januar gab es einen neuen Beschluss um die Ausbreitung des Corona-Virus zu verringern. Im Überblick sehen die folgendermaßen aus:

Wenig Menschen zu treffen, indem man keine Treffen mit Freunden veranstaltet oder im Homeoffice zu sitzen, statt gemeinsam mit den Kollegen in der Kaffeeküche die Mittagspause zu verbringen erklärt sich von selbst. Weniger Kontakte = weniger Infektionsmöglichkeiten, klar. Aber warum wird nun das Tragen von medizinischen Masken vorgeschrieben? Um zu verstehen, was die Hintergründe der Anordnungen sind, müssen wir uns mit der Übertragungsweise des Virus beschäftigen und mit den Unterschieden zwischen den einzelnen Arten von Masken.

Verbreitungswege des Virus

Seit Beginn der Pandemie wird über die Verbreitungswege des Coronavirus geredet. Dabei standen zunächst Tröpfchen als Hauptübertragungsweg im Zentrum der Aufmerksamkeit, später drehte sich alles um Aerosole. Was aber ist der Unterschied und was ist die Rolle von Tröpfchen und Aerosolen bei der Verbreitung des Virus?

Zunächst zu den Tröpfchen. Hierbei handelt es sich um genau das, was man vermutet. Ansammlungen von Flüssigkeit, die eine gewisse Größe erreichen und sichtbar sind. Man kennt das, manche Mitmenschen haben eine „feuchte Aussprache“, und das kann man nicht nur fühlen, wenn man vor Ihnen steht, sondern auch sehen, wenn man die Personen von der Seite betrachtet, besonders bei Gegenlicht. Da diese Tröpfchen aufgrund ihrer Größe auch ein gewisses Gewicht haben, sinken sie relativ schnell zu Boden, sie fliegen also nicht besonders weit. Deshalb empfahl man das erste A der AHA+L-Regeln. Abstand. Bei einem Mindestabstand von 1,5m bis 2m konnten einen die Tröpfchen des Gegenübers nicht mehr erreichen.

Da die Tröpfchen aber auch auf Flächen und Gegenständen wie Türklinken landen konnten, und sich Infizierte auch vielleicht erst ins Gesicht fassen und dann die Türklinke in die Hand nehmen, kam das H ins Spiel. Hygiene. Halb Deutschland sang fortan zweimal „Happy Birthday“ beim Händewaschen. Das ist nämlich ungefähr 30 Sekunden lang, und so lange sollte man sich die Hände waschen um durch Seife und mechanische Reibung das Virus zu entfernen. Der Absatz an Desinfektionsmitteln stieg auch rasant, denn grade unterwegs kann man sich oft schlecht schnell die Hände waschen. Und vielen fiel auf, wie häufig man sich doch am Tag so ins Gesicht fasst, wenn man mal gezielt drauf achtet.

Und schließlich das zweite A. Alltagsmasken. Die sollten vor allem dafür sorgen, dass die eigenen Tröpfchen nicht 1,5m weit flogen, sondern direkt in der möglichst doppellagigen Stoffmaske hängen blieben. Wenn also der Abstand nicht eingehalten werden konnte, sollte die Maske helfen.

Je länger das Virus in Umlauf war, desto häufiger registrierte man jedoch auch Ausbrüche, die in Innenräumen stattfanden, bei denen Abstand und Hygiene eingehalten wurden. Bei Busfahrten etwa. Oder in Schlachtbetrieben. Oder bei Chorproben. So rückten Aerosole in den Fokus. Aerosole sind Schwebeteilchen, die etwa beim Sprechen oder Atmen entstehen, die so klein sind, dass sie nicht schnell absinken. Sie schweben in der Luft, etwa wie die Rauchschwaden, die man bei Rauchern in geschlossenen Räumen sieht, die lange in der Luft wabern. Deshalb wurden die bestehenden AHA-Regeln um das L für Lüften ergänzt.

Seitdem die Aerosole in den Fokus genommen wurden, gibt es jedoch eine Debatte darüber, wie gefährlich Aerosole sind, und wie groß ihre Rolle im Antreiben der Pandemie ist. Was weiß man sicher über Aerosole?

Sicher weiß man, dass die Aerosole und Tröpfchen die beim Reden und Husten ausgestoßen werden, bis zu 8 Meter weit fliegen. Das heißt, in den meisten Privaträumen ist hier ein sicherer Abstand unmöglich einzuhalten. An der frischen Luft hingegen erfolgt durch die immer vorhandene Lustbewegung eine Verdünnung. Außerdem konnte man in Studien noch nach 3 Stunden vermehrungsfähiges Virus in der Luft nachweisen. Wenn nicht gelüftet wird, steigt die Menge an virusbeladenen Aerosolen deutlich an.

Bei einer hohen Infektionsrate über Aerosole hieße das, selbst wenn eine Person längst aus dem Raum ist, könnte sie noch Viren in der Luft hinterlassen haben, an denen sich Gesunde infizieren. Beispiele für Viren, die vor allem über die Luft übertragen werden, sind beispielsweise Masern. Hier liegt die durchschnittliche Reproduktionszahl, also die Anzahl der Personen, die eine einzelne kranke Person infiziert, bei 18. Bei Corona hingegen lag sie vor Beginn der Maßnahmen mit Abstand und Masken bei 2,5.

Ist das also ein Beweis dafür, dass Aerosole keine Rolle spielen in der Verbreitung? Nein, sagen Experten, das ist lediglich ein Beweis dafür, dass nicht jedes Virus gleich infektiös ist und es bei SARS-Cov-2 unterschiedliche Übertragungswege gibt. Und die Tatsache, dass sich mehr Menschen in Innenräumen als draußen anstecken, spricht eher für eine Relevanz von Aerosolen.

Immer häufiger wird versucht, das Risiko durch Aerosolbelastung zu senken, indem zum Beispiel in Büros oder Ladengeschäften Luftfiltergeräte zum Einsatz kommen. Die sind meist teuer, aber bringen sie wirklich etwas? Auch hierzu gibt es mittlerweile Studien. In einem Klassenraum wurden die Filtergeräte getestet und dem Lüften gegenübergestellt. Nach 30 Minuten Dauerbetrieb von 4 mobilen Luftfiltergeräten war die Aerosolkonzentration im Klassenraum um 90% gesenkt worden. 3 Minuten Stoßlüften erreichten eine Senkung um 99,8% bei Außentemperaturen von 7-11°C. Lüften ist also deutlich wirksamer, aber wenn das nicht möglich ist, können auch Luftfiltergeräte nützlich sein. Sie sind allerdings auch laut. Und gekippte Fenster sind noch kein Lüften. Und auch das Temperaturargument bei Lüften im Winter wurde in o.g. Versuch widerlegt. Bereits nach 4-7 Minuten war die Temperatur im Raum wieder bei 1° unter der Ausgangstemperatur vorm Lüften. Und das in einem leeren Klassenzimmer, bei Anwesenheit von Personen dürfte das deutlich schneller gehen.

 

Um das eigene Risiko einer Infektion z.B. im Büro oder in der Schule einzuschätzen, gibt es hier den Risikorechner vom Max-Planck-Institut: KLICK

„Expertenkreis Aerosole“

Erst Anfang Dezember wurden die Ergebnisse des „Expertenkreis Aerosole“ in Baden-Württemberg vorgestellt. Hier haben sich Mediziner mit Naturwissenschaftlern und Ingenieuren zusammengetan.

 

Obwohl derzeit nicht abschließend geklärt ist, wie viele Ansteckungen tatsächlich auf Aerosole zurückzuführen sind, halten die Experten sie für einen wesentlichen Übertragungsweg. Dabei ist die Virusmenge und die Dauer der Exposition entscheidend. Gemindert werden kann diese Gefahr durch das Atmen sauberer Luft, also dann, wenn Abstände und Kontaktzeiten zu anderen reduziert werden. Wenn das nicht möglich ist, wird das Tragen einer wirksamen Maske empfohlen.

 

Für den Aufenthalt in Innenräumen wird zusätzlich häufiges Lüften empfohlen, um mögliche Viruskonzentrationen in der Luft zu senken. Falls das unmöglich ist, können hoch wirksame Innenraumluftfilter zum Einsatz kommen.

 

Ihr Fazit zu Masken: Es reicht nicht aus, irgendeine Maske zu tragen. Wichtig beim Thema Maske:

  1. Sie muss richtig sitzen.
    Mund und Nase müssen bedeckt sein und der Nasenbügel muss gut angepasst sein. Bei FFP2-Masken (das FFP steht für filtering face piece) oder KN95-Masken muss sie rundum anliegen, beim Ein- und Ausatmen darf keine Luft an der Maske vorbei entweichen. Ein wirksamer Hinweis bei Brillenträgern: Die Brille sollte nicht beschlagen.

  2. Sie muss ausreichend filtern.
    Einlagige Stoffmasken haben keinerlei Eigen- oder Fremdschutz. Besser sind zweilagige Stoffmasken. Noch besser schützen die „OP-Masken“ nach DIN 14683. Bestmöglichen Schutz bieten FFP2-, KN96- oder N95-Masken. Dabei sollte man darauf achten, dass die Masken kein Ausatemventil haben, sonst schützen sie unser Gegenüber nicht.

 

Beim Kauf von OP-Masken sollte man darauf achten, dass irgendwo auf der Verpackung die DIN-Norm steht. Das ist meist nicht der Fall, die meisten dieser Masken sind auch nicht viel sicherer als eine doppellagige Stoffmaske. Bei FFP-2-Masken sollte ein CE-Siegel sichtbar sein. Um dieses Siegel zu erhalten, müssen die Masken nämlich geprüft sein. Unter Anderem auf Dichtigkeit und ob sie auch wirklich mindestens 94% der Partikel aus der Luft auffangen. Neben dem Siegel sollte eine 4-stellige Nummer stehen. Die Nummer steht für die Prüfstelle, die die Masken geprüft hat. Es gibt nämlich auch gefälschte CE-Kennzeichen.

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